Auf Workshops: Die Qual der Übungs-Partner-Wahl

Von Ram Teid

Uah,
ich hasse es, wenn der Workshopleiter sagt: „Für die nächste Übung suche dir einen Partner oder Partnerin!“

Ich schaue umher. Die? Oder die? Hey, DIE vielleicht. Ja, genau, DIE!

Aber während ich noch grüble, sind erfahrene Männer schon losgezischt und haben sich meine Wunschpartnerin gekrallt.

Ächz! Was für ein Leistungsdruck! Aber wie könnte es besser gehen?

Einmal erlebe ich, dass die Gruppe sich im Kreis aufstellt. Ich soll in die Mitte treten, zu meiner Wunschfrau hingehen und sie mit einer Namaste-Geste einladen. Klingt gut, da kommt mir keiner zuvor!

Ich stelle mich vor sie und grüße sie einladend. Doch was passiert? Sie schüttelt den Kopf. Och nö!! Sie will mich nicht. Sie weist mich zurück. Vor versammelter Mann- und Frauschaft. Ich schleiche zurück an meinen Platz.

Ich frage mich, ob das Gefühl der Demütigung hilfreich ist für meine Persönlichkeitsenwicklung.

Ein anderes Mal ist da eine junge Frau, nach der alle Männer gieren. Unsere genetischen Programme, die Mutter Natur uns gnadenlos aufzwingt, schreien uns innerlich an: „Reproduziere dich! Sorge für die Arterhaltung deiner Spezies! Spring sofort drauf auf die Süßmaus und besorg’s ihr bis zum Abwinken!“

Ha, diesmal bin ich vorbereitet! Beim Kommando „Partnersuche“ gehe ich sofort zu der jungen Lady hin. Ebenso leider auch ein weiterer Mann, Typ nordischer Kleiderschrank.

Die junge Frau flüchtet entsetzt zu einer anderen Frau, um die Übung mit ihr zu machen, ganz ohne Mann. Uff! Ich mache die Massageübung dann mit dem Kleiderschrank, dessen dichte dunkle Brustbehaarung sich fast wie Stahlwolle anfühlt.

Nächster Versuch auf den nächsten Workshop. Ich gehe entschlossen zu einer Lady hin, die mir gefällt. Kein Konkurrent in Sicht. Doch der Blick der Dame sagt: „Oh no, womit habe ich diesen Spargeltarzan verdient!“ Sehnsüchtig schaut sie zu einer wohlgerundeten Frau hinüber. „Du würdest wohl lieber mit ihr…?“ frage ich. Sie nickt. Ich lasse sie gehen. Ich bleibe übrig.

Dann aber soll endlich eine stressfreie Übungs-PartnerInnenwahl folgen: Beim nächsten Tantra-Workshop werden die Massagepartner verlost. Ein junges Paar ist dabei. Ich bekomme die junge Frau zugelost. Ganz ohne Krampf und Kampf.

Juhu! Aber dann geht es los: Ihr Partner protestiert beim Workshopleiter. Der junge Mann will nicht, dass ich meine alten Gichtkrallen in die zarte rosa Haut seines Lieblings haue.

Oder er hat Schiss, dass sie ihm abhaut, nachdem sie meine erfahrenen Berührungskünste erlebt hat. Ich will keinen Streit und lasse sie gehen, finde jemanden anderes zum Massieren.

Der nächste Workshop. Oje, Wir haben Männerüberschuss. Doppelt so viele Männer wie Frauen. Ich denke: „Ojeh, wahrscheinlich muss ich die ekstatische Yab-Yum-Vereinigungs-Übung mit Karlheinz oder Wolf-Dieter machen?!“

Aber es kommt anders. Der Workshopleiter befiehlt alle Männer an die Wand. Mit den Rücken zu den Frauen. Dann darf jede Frau zwei Kerle wählen.
Nett! Zu dritt gehen wir in eine Ecke auf die Matratzen. Sympathische Frau! Der Mann ist auch cool.

Jeder darf sich von den anderen etwas Wünschen. Wir beiden Männer sind höchst erfreut von den Wünschen der Frau, die ihre Phantasien ungehemmt auslebt.

Wenn wir eine Kamera hätten: Auf dem Youknutsch-Kanal „Deutsche Amateure“ könnten wir hohe Klickraten erzielen. Diesmal bin ich zufrieden.

Wie sagt doch gleich der Dichter?

Tut dich des Wählens Grauen quälen?
Lass einfach mal die Frauen wählen!

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