Die „Ehe auf Zeit“ für mehr Ruhe und Klarheit

Von Ram Teid

Wo waren wir stehen geblieben, was meine verrückten Vorschläge zum Thema Beziehung angeht?

Was tun, um mehr Ruhe in den steten Ringelpiez von Kerlen und Weibern zu bringen? Ich komme ja kaum noch hinterher, mir den Namen des/der aktuellen Liebespartners zu merken, so schnell wechseln die bei manchen Leuten.

Deshalb hier der geniale Vorschlag für mehr Ruhe: die „Ehe auf Zeit“.

„Ehe“ ist ja normalerweise abschreckend. „Bis dass der Tod euch scheidet“, ächz. Stimmt eh nicht, da vor allem Frauen vorher die Scheidung einreichen (hm, warum wohl – darüber sollten wir bei Gelegenheit nachdenken). Also mich schreckte das immer ab.

Die „Ehe auf Zeit“ geht so: Man heiratet nur für ein Jahr. Danach prüft das Paar, ob es in die Verlängerung gehen will. Wenn die Ehe gut war, heiratet man erneut für ein Jahr.

Es gibt die „Ehe auf Zeit“ in verschieden Ausführungen:

a) Monogames Paar. Es wird nicht an anderen gefummelt. Auch kein Seitensprung. Treue.

b) Freie Liebe Paar: Das Paar trifft klare Vereinbarungen wie „Sex mit anderen Menschen ist in Ordnung, sofern es nicht direkt vor der Nase des Partners ist. Nicht öfter als dreimal pro Sexpartner, um eine tiefere Bindung zu vermeiden. Auf Nachfrage erzählt man sich davon.“

c) Polyamore Dreierkonstellation: Entweder „kein Sex mit anderen“ oder eine Vereinbarung wie bei Freie Liebe.

So ist alles viel einfacher und übersichtlicher. Natürlich bekommt jeder einen Ehering.
Man weiß nun, XY ist verheiratet. Finger weg, wenn monogam. Oder kurz mal naschen, wenn frei Liebend. Aber nicht abwerben! Vielleicht hat er/sie in fünf Monaten keine Lust mehr auf diese Ehe und ist für eine tiefere Bindung verfügbar.

Das Paar selbst hat eine gewisse Sicherheit, jedoch mit überschaubarem Zeithorizont. Wenn es in der Kiste nicht ordentlich schnackelt oder überraschende Minuspunkte wie Dauerschnarchen, Mundgeruch und Humorlosigkeit die Ehe vergällen, dann wissen sie: Da dauert nicht ewig. Keine nervige Scheidung, sondern ein klares Ende, das im Kalender angekreuzt werden kann.

Das Hochzeitsritual gestaltet jede Gemeinschaft selbst. Damit wir ein bisschen was zu gucken haben, könnte zum Beispiel die Hochzeitsnacht öffentlich sein, vielleicht auf der FreiRaumpARTy oder auf dem Liebeskunstfestival, mit Livemusik, während Blüten auf die Körper gestreut werden und Champagner gereicht wird…

Die Schamanin sagt dann feierlich: „Bis dass der zeitliche Ablauf dieser auf Jahresfrist begrenzten bindenden Ehevereinbarung euch scheidet!“

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